Jeder neue Gedanke ist ein weiterer Teil der Konstruktion.

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Punkt und Komma – Im Land der freien Buchstaben


Die Nacht zog stille Fäden.

Punkt und Komma, die beiden eingefügten Satzzeichen, waren zwischen unzähligen Seiten eingemauert. Die Bücher schliefen.

Einband an Einband. Ordnung an Ordnung.
Punkt und Komma lösten sich immer zur gleichen Stunde in der Nacht aus ihrem Festgesetzsein los, indem sie ihre Funktion nicht nur einfach hinnahmen, sondern einfach einen überzeugten Schritt aus ihrem eingefügten Dasein ins große Buch taten. So auch heute.

Die Nacht zog stille Fäden.

Sie streiften nun freudig zwischen den Sätzen, Buchstaben und Zeichen umher, ja, legten sich sogar quer und mittig in ein Wort! Schließlich waren die beiden Zeichen wieder über den Seitenrand des Buches hinausgeschlüpft. Denn dort gab es eine Nische, in die sie eintauchen und in einem Schritt nur ins Land der freien Buchstaben, fernab von Einband und Ordnung, treten konnten.

Die Nacht zog stille Fäden.


Im Land der freien Buchstaben gab es keine kleinen und großen Buchstaben, es waren allesamt Zeichen frei Definition. Punkt und Komma bildeten nun Worte, ja, und Sätze, alles willkürlicher Art, frei von Bedeutung und Inhalt. Sicher, hier ergab es einen Sinn, sich in ein bedeutungsloses Wort oder einen Satz ohne Inhalt zu setzen, Sätze mit einem Komma zu beenden oder mit einem Punkt zu verbinden. Denn hier war alles von allem losgelöst. Ja, und welchen Sinn es ergab!

Heute nun-sie kehrten nicht wie gewohnt zur selben Stunde um, zurück in ihr Buch-war alles anders.


Hier musste ich die Geschichte beenden, weil keine Buchstaben mehr zu finden waren...


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